nach der lektüre einiger israel-reiseblogs fiel mir auf, dass ich mich mit einer frage beschäftigen könnte, die solche blogs nicht so recht auf den grund gehen können.
sicher, der eine schreibt darüber, wie oft und gerne er falafel isst… die anderen berichten von tollen parties… nun, aber wie steht es denn mit der frage, ob man sich denn in israel als ausländer fühlt? vor allem, wenn man eine ganze weile hier lebt?
generell ist mir die frage nie so recht in den sinn gekommen, was schonmal dafür spricht, dass man sich hier durchaus heimisch fühlen kann, zumindest konnte ich es. eigentlich fiel mir die frage nur durch ein paar nette beiträge von mtv europe ein, die sich mit dem thema „fremd sein“ beschäftigten.
allgemein ist der israelische gesellschaftcharkter ein solcher, dass allerlei menschen aus allerlei länder in diesem land zusammen kommen; israel also durchaus kosmopolitisch ist. da ist es dann nichts besonderes, wenn jemand aus deutschland nach israel kommt.
a pro pro deutschland: deutsche volontäre gibt es hier zu hauf. eine genau zahl kenne ich nicht, aber ich hörte davon, dass es jährlich zwischen 600 bis 1400 sein sollen. wenn man es also nicht schaffen sollte, irgendwie anschluss in die israelische gesellschaft zu finden, dann stehen die chancen sicher nicht schlecht, hier oder da noch ein paar nette volontäre kennen zu lernen.
aber: niemand sollte nach israel kommen um deutsche volontäre kennen zu lernen und um ehrlich zu sein, die einzigen deutschen, mit denen ich regelmäßg zu tun hatte, waren meine mitbewohner_innen. alle meine freunde aus israel habe ich indes in tel aviv kennen gelernt; entweder auf parties oder durch „freunde von freunden“, wie man so schön sagt. sicher, die eine connection ist etwas oberflächlicher, die andere dafür aber umso intensiver.
hier wirklich anzukommen gelingt meines erachtens auch wirklich nur dann, wenn man mit israelis in kontakt kommt. klar kann man das land entdecken, rumreisen usw. usf. aber es ist schon ein anderes niveau, erlebnisse und erfahrungen mit israelis zu teilen und mit ihnen zeit zu verbringen, gemeinsame entwicklungen zu machen.
was sicher auch was mit der frage zu tun hat: jüdisch-sein. meine israelische connection stammt nur aus tel aviv bzw. von vororten der mittelmeermetropole. in jerusalem – und hier lebe ich ja auch einen beträchtlichen teil meiner zeit wegen arbeit – habe ich wirklich niemanden so recht kennen gelernt. grund ist einfach die unterschiedliche atmosphäre: tel aviv ist weltoffen, modern, undogmatisch, ständig auf der suche nach der superlative. da spielt es keine rolle, welche nation oder religion du hast. die frage „bist du jude?“ habe ich in tel aviv niemanden fragen gehört. in jerusalem kommt diese frage ziemlich oft und ziemlich früh: „hey woher kommt ihr?“ „aus deutschland.“ „seid ihr juden?“ „nein.“ „was macht ihr dann hier?“ die tatsache, als goi nach israel zu kommen, geht einigen in jerusalem und sicherlich vielen anderen orten israels nicht so recht in den kopf. wie kann sowas nur möglich sein?
fazit: in israel habe ich mich niemals als fremder gefühlt. aber auch nie als israeli. irgendwie als irgendwas besonderes. ich will das nicht näher definieren, angenehm war es aber allemal und in der rolle habe ich mich wohlgefühlt. es ist so ein ausschließendes (nicht) von hier sein, was sich vereinigt bzw. ergänzt. wenn es aber um religiösität geht, hat mich so manche frage durchaus genervt.
zum thema sprache noch ein absatz; weil mich das manche in letzter zeit immer öfter fragen: englisch reicht aus, um im land zurecht zu kommen. aber es ist immer hilfreicher, wenn man hebräisch kann, vor allem, wenn man länger hier bleiben will. hebräischkenntnisse zeigen einfach, dass man von irgendwoher die motivation gehabt haben musste, die sprache zu lernen, was letzten endes heißt, dass man sich auch schonmal mit israel beschäftig haben muss. und das finden alle immer ganz knorke und erleichtert das kennen lernen. ich habe übrigens nie hebräisch gelernt, sondern wurde fast jeden tag 8 stunden damit vollgelabert – und nun kann ich es auch ausreichend gut.
zum schluss: es ist immer wieder lustig, wie sehr reiseblogs – und einer davon war einst lipstick.Israel – israelische klischees untermauern. da fällt mir vor allem das gute alte falafel-thema ein. sicher, falafel gibt es hier genug, aber es gibt auch weitaus mehr. und so oft wird es auch nicht gegessen, als dass man es als typisch israelisch hypen sollte. da gibt es noch zahlreiche weitere speisen, die man dann ebenfalls erwähnen müsste. z.B. d‘jachnun (schreibweise ist sicherlich komplett falsch ohne hebräischen buchstaben…).
und ja: israel ist anders als deutschland. eigentlich wissen das auch alle, tun dann aber immer so erstaunt: „das erste, was ich sah, war ein sturmgewehr. und sogar frauen sind in der armee.“ was denkt ihr eigentlich? dass im nahen osten frieden wäre? und dann kommt meistens mein lieblingssatz: „aber daran muss ich mich wohl gewöhnen müssen.“ nicht unbedingt meiner meinung, und erst recht nicht „müssen“, denn das geht schon von ganz alleine. und wenn man dennoch nicht darauf klar kommt, dann bietet das land jede menge fluchtmöglichkeiten. ich würde das leben hier nämlich durchaus als sehr vielseitig beschreiben.