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Archiv für Juli 2009

tape club berlin hosting pag tel aviv

pagtel aviver partymenschen waren entweder schon alle in berlin oder wollen dort unbedingt hin. nun kommen aber djs einer ganzen partyreihe an die spree. partok (an anderer stelle habe ich ja schonmal kurz werbung für ihn gemacht) und appleberg legen für die schwulunkosheretelaviver partyline pag auf. das ganze findet am 1. august im tape club berlin statt. wer also nicht unbedingt nach tel aviv jetten will, um israelische djs zu hören, kann das an dieser stelle auch etwas unkomplizierter an diesem wochenende tun. viel spaß.

nun noch der link zum youtube-video, das die ganze sauerei noch bewirbt. keine ahnung, was das ganze mit ins-gesicht-spritzen und rumkacken zu tun hat, aber nun ja, wahrscheinlich ist das dieser platte, postpubertäre tel aviver schwulenhumor…

fremd sein oder nicht – in israel

nach der lektüre einiger israel-reiseblogs fiel mir auf, dass ich mich mit einer frage beschäftigen könnte, die solche blogs nicht so recht auf den grund gehen können.

sicher, der eine schreibt darüber, wie oft und gerne er falafel isstdie anderen berichten von tollen parties… nun, aber wie steht es denn mit der frage, ob man sich denn in israel als ausländer fühlt? vor allem, wenn man eine ganze weile hier lebt?

generell ist mir die frage nie so recht in den sinn gekommen, was schonmal dafür spricht, dass man sich hier durchaus heimisch fühlen kann, zumindest konnte ich es. eigentlich fiel mir die frage nur durch ein paar nette beiträge von mtv europe ein, die sich mit dem thema „fremd sein“ beschäftigten.

allgemein ist der israelische gesellschaftcharkter ein solcher, dass allerlei menschen aus allerlei länder in diesem land zusammen kommen; israel also durchaus kosmopolitisch ist. da ist es dann nichts besonderes, wenn jemand aus deutschland nach israel kommt.

a pro pro deutschland: deutsche volontäre gibt es hier zu hauf. eine genau zahl kenne ich nicht, aber ich hörte davon, dass es jährlich zwischen 600 bis 1400 sein sollen. wenn man es also nicht schaffen sollte, irgendwie anschluss in die israelische gesellschaft zu finden, dann stehen die chancen sicher nicht schlecht, hier oder da noch ein paar nette volontäre kennen zu lernen.

aber: niemand sollte nach israel kommen um deutsche volontäre kennen zu lernen und um ehrlich zu sein, die einzigen deutschen, mit denen ich regelmäßg zu tun hatte, waren meine mitbewohner_innen. alle meine freunde aus israel habe ich indes in tel aviv kennen gelernt; entweder auf parties oder durch „freunde von freunden“, wie man so schön sagt. sicher, die eine connection ist etwas oberflächlicher, die andere dafür aber umso intensiver.

hier wirklich anzukommen gelingt meines erachtens auch wirklich nur dann, wenn man mit israelis in kontakt kommt. klar kann man das land entdecken, rumreisen usw. usf. aber es ist schon ein anderes niveau, erlebnisse und erfahrungen mit israelis zu teilen und mit ihnen zeit zu verbringen, gemeinsame entwicklungen zu machen.

was sicher auch was mit der frage zu tun hat: jüdisch-sein. meine israelische connection stammt nur aus tel aviv bzw. von vororten der mittelmeermetropole. in jerusalem – und hier lebe ich ja auch einen beträchtlichen teil meiner zeit wegen arbeit – habe ich wirklich niemanden so recht kennen gelernt. grund ist einfach die unterschiedliche atmosphäre: tel aviv ist weltoffen, modern, undogmatisch, ständig auf der suche nach der superlative. da spielt es keine rolle, welche nation oder religion du hast. die frage „bist du jude?“ habe ich in tel aviv niemanden fragen gehört. in jerusalem kommt diese frage ziemlich oft und ziemlich früh: „hey woher kommt ihr?“ „aus deutschland.“ „seid ihr juden?“ „nein.“ „was macht ihr dann hier?“ die tatsache, als goi nach israel zu kommen, geht einigen in jerusalem und sicherlich vielen anderen orten israels nicht so recht in den kopf. wie kann sowas nur möglich sein?

fazit: in israel habe ich mich niemals als fremder gefühlt. aber auch nie als israeli. irgendwie als irgendwas besonderes. ich will das nicht näher definieren, angenehm war es aber allemal und in der rolle habe ich mich wohlgefühlt. es ist so ein ausschließendes (nicht) von hier sein, was sich vereinigt bzw. ergänzt. wenn es aber um religiösität geht, hat mich so manche frage durchaus genervt.

zum thema sprache noch ein absatz; weil mich das manche in letzter zeit immer öfter fragen: englisch reicht aus, um im land zurecht zu kommen. aber es ist immer hilfreicher, wenn man hebräisch kann, vor allem, wenn man länger hier bleiben will. hebräischkenntnisse zeigen einfach, dass man von irgendwoher die motivation gehabt haben musste, die sprache zu lernen, was letzten endes heißt, dass man sich auch schonmal mit israel beschäftig haben muss. und das finden alle immer ganz knorke und erleichtert das kennen lernen. ich habe übrigens nie hebräisch gelernt, sondern wurde fast jeden tag 8 stunden damit vollgelabert – und nun kann ich es auch ausreichend gut.

zum schluss: es ist immer wieder lustig, wie sehr reiseblogs – und einer davon war einst lipstick.Israel – israelische klischees untermauern. da fällt mir vor allem das gute alte falafel-thema ein. sicher, falafel gibt es hier genug, aber es gibt auch weitaus mehr. und so oft wird es auch nicht gegessen, als dass man es als typisch israelisch hypen sollte. da gibt es noch zahlreiche weitere speisen, die man dann ebenfalls erwähnen müsste. z.B. d‘jachnun (schreibweise ist sicherlich komplett falsch ohne hebräischen buchstaben…).

und ja: israel ist anders als deutschland. eigentlich wissen das auch alle, tun dann aber immer so erstaunt: „das erste, was ich sah, war ein sturmgewehr. und sogar frauen sind in der armee.“ was denkt ihr eigentlich? dass im nahen osten frieden wäre? und dann kommt meistens mein lieblingssatz: „aber daran muss ich mich wohl gewöhnen müssen.“ nicht unbedingt meiner meinung, und erst recht nicht „müssen“, denn das geht schon von ganz alleine. und wenn man dennoch nicht darauf klar kommt, dann bietet das land jede menge fluchtmöglichkeiten. ich würde das leben hier nämlich durchaus als sehr vielseitig beschreiben.

Im Jabo-Museum

Da grejpfruit ja inzwischen nur noch schnöden Alltag in Israel erlebt, muss erstmal Besuch kommen, um ihn aus diesem Trott zu reißen. Wir — zwei aus dem enemy country angereiste Freunde — legten nämlich Wert auf ein pralles touristisches Programm mit bildungsbürgerlichem Anspruch. Durch ein solches Programm wird auch grejpfruit wieder auf die kulturellen Höhepunkte aufmerksam, die er hier all die Zeit nicht wahrgenommen hat. Eine solche Perle ist das Jabotinsky-Museum in Tel Aviv.
JabotinskyIn der Rechov Ha-Melech George Nummer 38 findet sich ein Hochhaus, welches deutlich erkennbar NICHT aus der goldenen Zeit des Tel Aviver Bauhaus‘ stammt. Hier ist der Sitz des Jabontinsky-Instituts, welches zugleich das sich am selben Ort befindliche Jabotinsky-Museum betreut. Allerdings haben wir uns im Treppenhaus erst einmal verlaufen: Wir kamen an einem leeren Saal vorbei, wo einige Wochen zuvor eine Veranstaltung des Likud-Blocks stattfand — die alten Plakate von Bibi Netanyahu hingen noch da. Der Enttäuschung nahe waren wir kurz davor, das insgesamt sehr ausgestorben wirkende Gebäude wieder zu verlassen, als wir uns doch noch ein Herz fassten & die schwere, mit Holzimitat beklebte Tür im zweiten Stock öffneten. Wir waren schließlich doch an unserem Ziel.

Für den unschlagbaren Preis von fünf Shekeln (ca. ein Euro) — dem Studierendenrabbatt*, den wir ohne Nachweis erhalten haben, Erwachsene zahlen das Doppelte — bekamen wir dort dann einiges geboten: Zuerst einen recht pathetischen Lehrfilm über das Leben Jabotinskys. Wladimir Ze‘ev Jabotinksy erzählt in einem imaginären Gespräch mit seinem Sohn Eri von seinem Leben: 1880 in Odessa geboren, entdeckt er schon früh die Poesie für sich & veröffentlicht Gedichte in russisch, jiddisch & später auch hebräisch. Als junger Mann kommt er nach Rom, welches er als seine geistige Heimat ansah. Dann ist er aber doch lieber Zionist geworden & hat sich seine Heimat in Erez Israel gesucht. Sein fiktiver Gesprächspartner-Sohn macht ihm hier einige Vorwürfe: Der Vater sei nie für ihn & die Mutter dagewesen. Aber Jabo hatte ja auch einges zu tun: Die Jüdische Legion in der Britischen Armee musste ins Leben gerufen & kommandiert werden, auch die Revisionistische Bewegung (der sozialistische geprägte Zionismus unter Ben Gurion & Co. sollte einer Revision unterzogen werden & auf Herzls Urgedanken zurückgeführt werden) & Betar gegründet werden. Dieses Engagement wurde ihm auch gedankt, wie Eri zum Schluss freudestrahlend erzählt: In Israel gebe es keine Stadt, die nicht eine ihrer Hauptstraßen nach seinem Vater benannt habe. Das freut Jabo natürlich sehr — fast so sehr, wie die Tatsache, dass es jetzt überhaupt einen jüdischen Staat gibt — dessen Gründung hat er leider nicht mehr mit erlebt.

aliyah betNach diesem Lehrfilm ging es weiter mit dem medialen Overkill: Es gab einen weiteren Lehrfilm, diesmal über die illegal(isiert)e Aliyah, die von der Betar organisiert wurde. Die schauspielerische Leistung sei hier nur kurz als hölzern beschrieben. Besonders schön war die Szene, als das Flüchtlingsschiff in großen Schwierigkeiten war — der Kapitän wollte mehr Geld & außerdem näherte es sich der britischen Blockade — & dem Helden nichts besseres einfiel, als der Heldin einen Heiratsantrag zu machen, den sie auch prompt angenommen hat. Schließlich gab es ein Happy End: Das Schiff lief an der Küste Erez Israels an, die im Filmraum simulierte Gischt wurde nicht mehr auf uns gespritzt & alles war gut.

Nur für wen dieser Aufwand? Zwei aufwändige Filme, in einem wird sogar Wasser auf das Publikum gespritzt — aber für wen? Das Museum wirkte nämlich äußerst verschlafen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit waren wir die einzigen Gäste an diesem Tag, das Museumspersonal — darunter eine ältere Dame, die von ihrem Detmoldbesuch erzählte — wirkte dementsprechend begeistert.

In den zwei darunterliegenden Etagen, die vermutlich zu einem anderen Museum — dem für die Kampfgruppe Ezel (= Irgun Zva Leumi – Nationale Militärorganisation) — gehörten, war es noch ruhiger. Die dortige Ausstellung, deren Besuch in den fünf Shekeln inclusive war, schien das letzte Mal in den Siebzigern aktualisiert worden zu sein. In der schweren Holzvertäfelung fanden sich Schautafeln & -kästen, die über die Geschichte von Ezel aufklärten. Besonders aufschlussreich war der modellhafte Nachvollzug vermutlich jeder einzelnen Aktion der Gruppe: So gab es beispielsweise das King-David-Hotel, dessen Seitenflügel von Ezel weggesprengt wurde, weil sich dort der Sitz der britschen Mandatsregierung befand, in Miniatur. Dahinter konnte auf einer Karte das Anrücken der Ezel-Kämpfer, das Deponieren der Bombe & der folgende Rückzug durch Leuchtpunkte detailliert nachvollzogen werden …

So in die passende Trash-Stimmung gebracht, haben wir noch einige Trash(kleidungs)läden besucht & etwas geshoppt. Aber das ist eine andere Geschichte …

* Auf dem Flyer des Museums habe ich gerade gelesen, dass der Rabbatt nur für „Schoolchildren and senior citizens“ gilt. Das erscheint mir als weiterer Beleg für den seltenen Besuch des Museums: Die wenigen Gäste sollen nicht noch durch hohe Preise vergräzt werden …

lady gaga kommt nach tel aviv!!

da habe ich neulich erst noch im nebensatz darauf hingewiesen, dass alle sich bei facebook dafür einsetzen sollen, dass lady gaga nach israel kommt und nun fällt mir auf, dass seit einigen tagen sowieso schon klar war, dass sie hier auftritt. mensch mensch… gestern im radio erfahren und heute nochmal auf arbeit per zeitung. unglaublich.

lady gaga

yeah popmusik!

einer bitte muss ich nachkommen.

ehrlich gesagt, ich schreibe die letzte zeit fast ausschließlich über allerlei parties, djs oder clubs. ein grund: israel ist eben alltäglich geworden, so dass eigentlich nur noch die sensationellen wochenenden irgendwelchen schreibstoff zu bieten scheinen. umso lustiger ist es dann, wenn man reisetagebücher, und als solches hat lipstick.israel angefangen, von anderen besucher_innen liest, wie patriotact oder nun urlaub. aber so ist das eben: die zeiten ändern sich und wenn es den anschein hat, dieser blog entwickelt sich vom reisetagebuch in ein partyratgeber für tel aviv, dann ist das wohl teil der enwicklung.
yaron deep'aein weiterer grund ist der, dass yaron deep‘a (rechts auf dem bild zusammen mit derrick may) mich darum gebeten hat, ein wenig werbung für die kommende party innerhalb der „german community“ zu machen. dieser bitte komme ich hiermit nach. als dank darf ich dann auch megaverbilligt auf die feier (was soll denn das? seit wann bezahle ich denn eintritt?). das ganze wird mal wieder im barzilay stattfinden; die verlinkung zum club könnte ich mir ja mittlerwele sparen. neben deep‘a spielen dann u.a. auch dj_anes von pacotek (hier ein paar sets zum free-download) und natürlich der hauptact aus detroit juan atkins. eine freundin aus tel aviv fragte vollkommen zurecht, wozu noch jemand aus detroit kommen muss, wenn schon israels best-local-dj_anes auflegen, wir werden ja sehen.

hier jedenfalls 808 von vek & deep‘a, etwas ruhig zum langsamen warm werden:

nebenbei: wer bei facebook ist, sollte mir bitte einen gefallen tun und dafür sorgen, dass lady gaga nach israel kommt. danke.

t:market – ein bisschen werbung

wenn urlauber_innen aus der szene nach israel kommen und durch die jerusalemer altstadt „schlemmern“ (schlemmern ist einfach der falsche begriff, weil es meines erachtens einfach nur purer stress ist; man wird von den markthändlern an jeder ecke angelabert, angegrabscht und beleidigt, wenn man mal ordentlich verhandeln will…), dann interessieren sie sich üblichweise für israel-shirts aller art, von idf über coca cola, mossad bis hin zu spongebob im blau-weißen dress. der renner ist wahrscheinlich noch immer „america don‘t worry – israel is behind you“, und um ehrlich zu sein, das war auch mein erstes shirt, was ich mir damals vor vielen jahren im alter von 16 gekauft habe (12 shekel, 2,50 euro…. „made in jerusalem“). nun gut, um aber ehrlich zu sein, ich finde diese shirts mittlerweile einfach nur peinlich, hier mal ein paar beispiele. sie sind politisch nicht nur platt, sondern sehen dazu einfach nur hässlich aus.

deshalb kommt hier mein tipp: t:market. das ist eine ziemlich alternative ansammlung von allerlei szenedesigner_innen, die ihre produkte an die leute bringen wollen. jedes jahr tourt der markt durch israel (tel aviv, haifa, jerusalem, herzliya, be‘er sheva usw. usf.). falls ihr also in der gegend seid, schaut einfach mal vorbei. es lohnt sich, würde ich sagen. im großen und ganzen alles ziemlicher trash, aber trash ist in der israelischen szene (und damit meine ich die partyszene in tel aviv) ganz große mode. hier auch noch gleich ein nettes bild aus der gallerie:

t_market models

zu guter letzt kann ich mir die bemerkung nicht verkneifen: mit dem typen, der die schwarzen hosenträger an hat, hatte ich mal was auf ’ner party. er ist in einer palästinensischen schwuleninitiative aktiv. ihre side ist aber gerade off… der typ ganz rechts ist yaron deep‘a, einer von tel avivs nachwuchs-djs mit einer wunderbaren freundin. am wochenende legt er auf einer superguten party auf, aber dazu später mehr.